Beiträge von BudSpencer

    Das triste Dasein des Fabrikarbeiters um die Jahrhundertwende, wurde z.B. im Film "Metropolis" verarbeitet:

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    Fritz Lang hat mehr Einfühlungsvermögen für die Arbeiterschaft bewiesen, und damit ein weit größeres Werk geschaffen, als dieser Möchtegern-Philosoph, ...

    Das ist einerseits ein ziemlich hanebüchener Vergleich, aber andererseits führst Du dich damit nur selber vor, wenn man sich das Werk etwas genauer ansieht. Metropolis ist sehr wahrscheinlich sogar von Marx inspiriert und nicht nur bezogen auf den Kapitalismus, sondern auch auf die religionsfeindliche Einstellung des guten Karl. In Metropolis ist die "dämonische Maschine", die die Arbeiter frisst, nämlich nicht nur dämonisch, sondern wird auch durch einen weiblichen Cyborg, die die Rolle des Engels einnimmt symbolisiert. Und dieser Engel gibt den Arbeitern nichts Reales, nur eine Illusion von Hoffnung - was genau das ist, was Religion für die Reichen und Mächtigen auch macht und was Marx ganz genau so sah. :P

    Wissenschaft und Kultur findet nun mal in den Städten statt.

    Ja, aber für wen waren diese Jahre dann golden ? Für die Besucher der Berliner Kneipen, Theater und Varietes ? Das Statussymbol der Zwanziger war nicht das Auto, sondern ob man sich ein Dienstmädchen leisten konnte. :c'mon: Meine Oma hat es (in den Sechzigern) immer sehr bedauert keines mehr zu haben. :opa:

    Die 20er Jahre waren tatsächlich golden in Bezug auf Wissenschaft und Kultur. ...

    Aber nur in großen Städten wie Berlin oder Hamburg. Der ganze verdammte Rest war gerade noch dabei dem Feudalismus und dem Mittelalter zu entwachsen. Die bestausgebauten Straßen waren die aus der Römerzeit und als die Autobahnen gebaut wurden, waren die meisten Straßen in den Orten aus Pflastersteinen oder schlicht Feldwege. Kanalisation ? Ich kenne die Häuser in unserem Ort, wo man noch die Spuren der Abwasserleitungen sieht, die den ganzen Scheiß einfach zum Rinnstein auf dem Weg vor dem Haus führten. Ich habe noch selbst gesehen, dass in einem Vorort von Mainz, wo ich aufgewachsen bin, in den Fünfzigern Pferdefuhrwerke die Kohlen für den Winter brachten. Die goldenen Zwanziger gab es vielleicht in Berlin, aber sie waren nicht hier. :opa:

    Obwohl das Geld bereits versteuert wurde, weil es aus irgendeiner Geschäftstätigkeit stammt? Naja, der raffgierige Staat hat wohl nichts dagegen und den Toten stört das wohl auch nicht mehr. :)

    Die Erben haben aber etwas dagegen. =O :erol:


    Der tiefe Sinn der Vermögensteuer ist es, große Vermögen abzubauen. Du als Libertärer kannst es ruhig Enteignung nennen, denn das ist durchaus richtig und gewollt. Es geht darum den Privaten ihre große wirtschaftliche Macht wenigstens ein bisschen zu nehmen und das Geld zu verteilen. Wohin da verteilt wird ist dabei zweitrangig. Wie gesagt, geht es darum wirklich große Vermögen abzubauen. Wenn der Staat es wollte, könnte er das auch sehr viel drastischer tun als mit einem Prozent. Das wäre auch in Ordnung.


    Bei der Erbschaftsteuer sollte die Handhabung ähnlich sein. Große Vermögen abbauen oder zerschlagen und kleine Vermögen ignorieren. Die Freibeträge müssen entsprechend hoch sein. Ich würde alles was unter 10 Millionen liegt außen vor lassen, aber die Grenze muss natürlich je nach aktuellen Werten anpassbar sein. Es geht nicht um Omas Häuschen, noch nicht einmal um Opas Kfz-Werkstatt oder das Zweifamilienhaus oder auch drei davon. Es muss dabei um richtig viel gehen. Es geht um Machteinschränkung, nicht um Geld.


    Private wirtschaftliche Macht zerschlagen, weil das eben auch politische Macht ist. Oligarchen verzwergen, Superreiche enteignen. Das ist das Ziel einer sozial durchdachten Erbschaft- und Vermögensteuer und aus diesem Grund sind beide Steuerarten soziale Steuern. 8) :batman:

    Ist schon versucht worden, sogar gewaltsam. Hat aber nicht geklappt. Womöglich wegen der Gewalt.

    Soso ^^ Natürlich hat das schon geklappt. Alle diese Steuern, auch ziemlich hohe Steuersätze gibt es und hat es schon gegeben. Sie werden aber unter dem Geheul von starken Lobbyverbänden und geschickt zwischen Politik und Wirtschaft wechselnden Managern seit Jahrzehnten gesenkt und sind sind denen doch nie niedrig genug. Die Privatisierung von Staatsaufgaben und öffentlichen Gütern gehört dazu.

    Um das zu erreichen, ist bisher leider kein funktionierender Lösungasansatz bekannt.


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    Aber natürlich ist der bekannt. Mehr Staat und ganz wenig Markt bei Netzen, Gesundheit, Bildung, Infrastruktur u.ä. Dingen der Daseinsvorsorge und soziale Steuern die große Vermögen abbauen, wie Erbschafts- und Vermögensteuer, Börsenumsatz- und Transaktionssteuern. :sifone:

    Nun, seit Jahrzehnten scheuen sich die politischen Gremien eine zweite Elbquerung zu realisieren die schon langen in den Schubladen versauert.

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    Es gibt doch auch noch die allererste Elbquerung von Neunzehnhunderttobak. Muss man halt die Fahrspuren übereinander legen, statt nebeneinander und schon rollt der Verkehr. Furchtbar wie unflexibel diese Fischköppe sind. :sifone:


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    Viele in der AfD sind ehemalige NPD-Mitglieder. Die CDU, als grundgesetzkonforme Demokraten, ...

    Die Mitgliederzahl sagt nicht viel über den Wahlerfolg. Außerdem würde es mit NPD-Mitgliedern so oder so nicht reichen. Sie gehören aber dazu und setzen sich immer mehr durch.

    Das Programm der AfD ist bloße Augenwischerei. Sie brauchen die demokratisch-rechtsstaatliche Maske, um überhaupt als Partei bei Wahlen zugelassen zu werden. Wer glaubt, dass der AfD-Faschismus seine wahre Gesinnung im Parteiprogramm offenbart, muss schon sehr naiv sein.

    Die AfD ist zunächst mal der ganz rechtsaußen Flügel der CDU. Daraus wurde sie rekrutiert. Wenn Du denkst dass die CDU schon immer einen faschistischen Flügel hatte, hast Du vielleicht recht. :biggrin: Der Neoliberalismus ist ja auch nicht so weit von Mussolini weg oder noch besser - von Pinochet.

    Ich bin nun kein AfD-Insider, aber mir stellt sich die AfD nur noch als rechtsnational, rassistisch und islamophob dar. Vom Wirtschaftsliberalismus der Anfangszeit sieht man nichts mehr bei denen. ...

    Echt jetzt ? Du bist doch für alles Mögliche ein Insider ? 8) Noch gilt das Programm aus 2018 und das ist neoliberal ausgerichtet. Weidel, Gauland und Meuthen sind (noch) nicht weg und die sind wirtschaftlich ebenfalls auf dieser Linie. Ich denke wir werden den braunen Showdown im November auf dem nächsten Parteitag sehen.


    Aber auch wenn sich die AfD dann einen sozialeren Anstrich gibt, ist es nicht sehr wahrscheinlich dass es dabei bleibt wenn es darauf ankommt. Das war bei rechtsnationalen Kräften noch nie der Fall. Ist auch bei Le Pen zu bezweifeln, obwohl die schon auf der Linie ist. Der Schlenker soll mehr Stimmen generieren, indem man suggeriert: wir brauchen mehr Sozialstaat - aber nur für Deutsche oder Franzosen oder wo man halt solche Politik verfolgt.

    Es überrascht mich, dass ausgerechnet die Massenmedien in den USA im Fokus stehen, einem Land, in dem Holocaust-Leugnung zur Meinungsfreiheit gehört.

    Das stammt aus 1988 und die Autoren haben halt die USA betrachtet. Ich sehe es aber auch so, dass man die Erkenntnisse allgemein anwenden kann.

    Eben. Das sind aber nicht "die Eliten", die verschörerisch dieses Denken befeuern, es sind die Leute selbst, die das Denken ihrer Altvorderen weiterführen.

    Ich habe das erst später gesehen.


    Es gibt ein Propagandamodell von Noam Chomsky und Edward S. Herman zur Funktionsweise von Massenmedien in kapitalistischen Gesellschaften, welches von vielen Kommunikationswissenschaftlern anerkannt ist.


    Es erläutert unter anderem auch dass das Ganze nicht verschwörerisch abzulaufen braucht. Die Verschwörungstheorie ist ein beliebtes Totschlagargument.

    Das hat sie längst getan. Die marktradikale AfD zur Lucke-Zeit existiert so gut wie gar nicht mehr.


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    Das stimmt nicht. Es gibt immer noch sehr viele, wirtschaftlich libertäre Schwachköpfe, die die gesetzliche Rente am liebsten abschaffen würden und die haben momentan noch das Sagen. Diese wirtschaftliche Sicht, ist genau der Knackpunkt den der braune Flügel ändern will.

    Das ist tatsächlich genau so, aber uns ist das Nationale (das, auch wenn´s uns nicht gefällt, Voraussetzung für ein WIR-Gefühl ist) sehr heftig ausgetrieben worden. ...

    Ich denke nicht, dass man dieses Gefühl austreiben kann, weil es nach meiner Erfahrung tief in uns verankert ist. Jeder will gerne irgendwo dazugehören.


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    Ich als HH- Hafenanrainer habe ein ganze anderes "Wir" Gefühl, sitze mit ganz anderen Leuten am Tisch die ich als Bereicherung sehe und die auch einen dt. Pass besitzen. ...

    Man kann es aber erweitern, wie man an Bikey sieht. Das ist wahrscheinlich gar nicht so leicht und braucht ein Stück eigene Erfahrung. Eigene Erfahrung ist auch wieder so eine Sache, weil man seinen Erfahrungen am liebsten Dinge hinzufügt, die die eigene Sichtweise bestätigen.


    Von daher schwebt mir halt vor, das WIR-Gefühl auf andere Dinge zu richten als auf Menschen. Wirklich große technische Projekte wie der Weltraum oder das Klima, die wahnsinnig viel Geld und Ressourcen kosten und ja - auch Opfer. Teil von so etwas zu sein, verbindet automatisch.

    Gut, aber wir gelangen da immer schnell an den Punkt in welcher Richtung sich Parteien, deren Vertreter oder auch nur Leute ( wie ich ) in der gesamt deutschen Gesellschaft ausserhalb solcher Auffassung auf so was einlassen (müssen). ...

    Das deutsche WIR-Gefühl braucht ein positives Ventil. Das wäre irgendwie... gesund ? Ich weiß nicht wie ich es anders ausdrücken soll. So wie bei einer Fußball-WM. Oder einem Raumfahrtprogramm. Na gut, das Weltraumding ist halt meine Lieblings-Identitätsstiftung. Aber es gibt sicher noch mehr.

    Völlig richtig. Und da kommen dann doch teils eklatante Unterschiede hoch wo jemand wie die AFD eben genau dort punkten kann. Und hier teils im Westen eben nicht, bzw. nicht mit jener Klaviatur.

    Darin liegt tatsächlich ein Unterschied. Das Nationale hat im Osten eine höhere Bedeutung als im Westen, was ganz passend zu Polen oder Ungarn ist. Das Nationale wird mit Sicherheit verbunden, was ich selbst im Sozialbereich durchaus auch so sehe. Die AfD versucht diese Felder zu besetzen und gewinnt an Boden, während die anderen Parteien dabei zuschauen. Das ist ein großer Fehler, den Sahra Wagenknecht zum Beispiel klar gesehen hat. Wenn die AfD von blau (also marktradikal) zu braun (also national und sozial) wechselt, wenn auch nur verlogen und vorgeblich, geht es erst richtig zur Sache. Auch im Westen.

    ...die mentalen Unterschiede ...

    Gibt es auch zwischen Rheinländern :jokly: und Fischköppen :nerd:oder gar zu den Bazis :uglytwink: im Süden. Das ist doch ganz normal. :lol:


    Es geht bei all den Diskussionen um die Ungerechtigkeiten bei der Wiedervereinigung und bei dem Theater um die AfD im Grunde um das deutsche "WIR" und was das eigentlich ist, wenn man mal ehrlich ist. Ohne dieses alles überlagernde "Problem" sind die anderen Themen nur Peanuts.

    ...Kohl hat richtig gehandelt, nur eben danach das Handeln seiner Truppe überlassen, die es versaut hat. ...

    Sehe ich auch so. Darum hatte Lafo bei der Wahl 1990 auch gar keine Chance gegen ihn. Der ist manchmal aufgetreten, als ob er gar nicht gewinnen wollte, während Brandt ganz offensichtlich sehr gut gelaunt über die Wiedervereinigung war. Man darf natürlich auch nicht vergessen, dass Lafo im Wahljahr bei einer Messerattacke schwer verletzt wurde. Das wird sicher auch eine Rolle bei ihm gespielt haben.