Beiträge von jaki01

    Es geht eher um Traditionen.

    Es geht nicht nur um Bräuche, sondern um Gemeinsames.

    :)


    Ja, ihr Leute, der Fokus einer Diskussion wandert zuweilen ein wenig umher, und das ist gut so.


    Da vor allem ArgoNaut die Diskussion um Feiertage ins Spiel brachte, ging ich gerne darauf ein, und wie ich ihn verstand, bezog er sich in erster Linie auf hiesige Regelungen. Aber abgesehen davon würde eben wohl kaum jemand, egal ob hier oder in Australien, im August Weihnachtsbäume aufstellen, sollte es zu der von mir vorgeschlagenen Feiertagsersatzregelung kommen.

    Jetzt haben die christlichen Australier aber'n Riesenproblem......

    Ah, und ich dachte noch bis vor wenigen Minuten, in Deutschland lebende Australier feierten Weihnachten in der Regel, ebenso wie deutsche Christen, im Winter ... Wir diskutieren doch über Feiertagsregelungen hierzulande?


    Aber das ist ohnehin ein die eigentliche Diskussion kaum tangierendes Nebengleis, denn ein christlicher Australier würde wohl auch dann eher (sehr) selten einen Weihnachtsbaum im August aufstellen, wenn er in Australien lebt. Also gilt weiterhin:


    Warum sollte das irgendjemand tun??

    Es geht nicht nur um Bräuche, sondern um Gemeinsames.

    Ich sehe das nicht als Problem. Wenn ich ans Spaghettimonster glaube und habe ein paar Extratage, dann lege ich die, wie alle anderen Spaghettimosntergläubigen auch, gemeinsam auf die gaaanz heiligen Spaghettimonsterfeiertage. :)

    Und mit den Nichtspaghettimonstergläubigen will ich ja ohnehin gar nix gemeinsam haben, das sind Ungläubige! :)

    Die Christen könnten ihre Extratage ja immer noch auf Weihnachten und Ostern legen. Wären dann fast alle Deutschen gläubige Christen, täten das ja weiterhin fast alle gemeinsam. Sollten die meisten Deutschen doch nicht mehr christlich geprägt sein, gäbe es auch keinen Grund mehr dafür, dass alle ausgerechnet an Weihnachten frei hätten.


    Und ganz ehrlich, mich interessiert es nicht im Geringsten, was irgendein mir unbekannter Deutscher am Sonntag macht, ob er faul in seinem Garten im Liegestuhl liegt, am Computer arbeitet, Holz hackt oder in die Kirche geht.

    Außerdem hätten Arbeits- und Auftraggeber viel leichteres Spiel mit Sonderwünschen bezüglich Dingen, die noch erledigt werden sollen, wenn alle Frei- oder Feiertage verhandelbar sind.

    Dann dürften eben die bezüglich Anzahl den jetzigen Feiertagen entsprechenden Extratage nicht verhandelbar sein: Über X Tage im Jahr dürfte jeder Arbeitnehmer tatsächlich absolut frei verfügen. Es hätte aber trotzdem Vorteile für den Arbeitgeber, weil z. B. an Weihnachten möglicherweise Spaghettimonstergläubige bereit wären zu arbeiten etc.

    Auch darin unterscheidet sich der Mensch vom alten Affen, der nur faul, egal wann, auf dem Ast sitzt, wenn er nix zu tun hat .

    So bewertet ein jeder die Freizeitgestaltung des jeweils anderen nach seinen eigenen, ganz persönlichen, subjektiven Maßstäben ... Ich würde mal die Affen nicht unterschätzen. Es wird mittlerweile gar davon gesprochen, das "Schimpansenkulturerbe" schützen zu wollen, weil verschiedene Populationen verschiedene Verhaltensweisen und Riten pflegen, die mit ihrer Auslöschung zu verschwinden drohen.

    Der eine stellt den Christbaum im August auf ...

    Warum sollte das irgendjemand tun?? Für einen Christen ist Weihnachten im Winter, ein Nichtchrist würde wohl kaum einen Weihnachtsbaum im August aufstellen, und wenn doch, seis drum, es gäbe Schlimmeres. :)


    Wie du im ersten Satz sagtest, es geht um Gemeinsames, um soziales Gefüge.

    Ich gebe zu, ich konnte künstlich erzeugtem sozialen Gefüge noch nie wirklich etwas abgewinnen. Mit manchen Menschen bin ich gern zusammen, auch ohne äußeren Anlass, bei anderen hülfe auch kein Weihnachten oder Spaghettimonsterspezialfeiertag, ich miede sie dennoch und suchte keinerlei Gemeinsamkeiten.

    Ja, ich bin nicht sozial in dem Sinne, mich nach zusammen mit mir unbekannten Menschen ausgeübten gemeinsamen Riten zu sehnen, aber natürlich gestehe ich anderen Menschen zu, dass diese Art sozialen Kitts in ihrem Leben eine wichtigere Rolle spielen mag als in meinem.

    Natürlich existiert Mathematik nicht unabhängig von Mathematikern. Sie ist eine Wissenschaft, und die kann es ohne Wissende nicht geben. Was es gibt, sind mathematische Regeln, die existieren, auch wenn niemand sie kennt.

    Es ist genau umgekehrt. Mathematik steckt überall in der Natur, im Universum. Mathematiker sind es, welche die Gesetzmäßigkeiten entdecken, beschreiben, eine Symbolsprache als theoretischen Überbau für mathematische Phänomene entwickeln, die schon lange existierten, bevor es überhaupt Menschen gab.

    Mathematik als Begriff ist nur ein von Menschen verliehener Name für etwas, das auch ohne uns existiert und in jedem Grashalm, in jedem Atom zu finden ist.

    ... ich selbst genieße es schon, dass an den Feiertagen das ganze Land zur Ruhe kommt, dass ich weiß, am 1. Weihnachtsfeiertag ruft mich niemand beruflich an, und ...

    Und klar ist es schön, wenn dich an freien Tagen niemand anruft, der etwas mit deiner Erwerbsarbeit zu tun hat ArgoNaut, aber ob dieser Tag nun "Sonntag" oder "Mittwoch" heißt, sollte eigentlich keine Rolle spielen. Wichtig ist, dass man dich an Tagen, an denen du nicht (erwerbsmäßig) arbeitest, nicht behelligt.

    Ich verstehe auch das Bedürfnis nach Tagen, an denen insgesamt im ganzen Land weniger Hektik herrscht ... Aber stell' dir vor, die meisten Menschen arbeiten ohnehin zukünftig im HomeOffice und die Autos, die dennoch fahren, tun das leise ... Es wird sich vieles ändern ...


    Im Gegensatz zu ArgoNaut vermag ich schon allein deshalb keine wirklich 'alten', verfestigten Bräuche in der Stammesgeschichte des Homo sapiens zu erkennen, weil Homo sapiens nicht alt ist. :) Es ist ein noch brandneues, blutjunges Produkt der Evolution ... aber interessant ist, dass er ein Produkt der Evolution ist. Gäbe es bei ihm tatsächlich eine mysteriöse 'Siebentageregel', sollte man einmal damit anfangen, bei den ihm vorausgegangenen Produkten ebenfalls nach diesem Bedürfnis Ausschau zu halten.

    ... und tatsächlich wäre das längst geschehen, würde das regelmäßige gemeinsame Herunterfahren nicht im Ganzen ein allgemeines Bedürfnis sein.

    Ich glaube, es gibt einfach noch zu viele Menschen sowie die entsprechenden Religionsgemeinschaften, die jeweils 'ihre' 'heiligen Tage' als gesetzlich bestätigt sehen wollen, die befürchten, sie könnten dann an 'ihren' Feiertagen nicht mehr feiern bzw. ausruhen, statt einfach daran zu denken, ihre zusätzlichen freien Tage dann genau dazu zu nutzen.

    Es geht hier auch um Einfluss im Staat!

    Ich denke auch, dass es für das soziuale Leben in einer Gesellschaft Sinn macht wenn die Leute an gleichen Tagen frei haben, sich treffen können oder ausspannen, dass an bestimmten Tagen Besuche Tradition haben wie an Ostern oder man zusammen ist wie an Heiligabend.

    Gäbe es individuell legbare 'Feiertage' würden ohnehin alle, denen ein bestimmter Brauch wichtig ist, 'ihre' Feiertage so legen, dass sie zu diesen ihnen wichtigen Anlässen dann gemeinsam 'ihre' Traditionen begehen könnten.

    Aber Jaki, auch wenn es Dir nicht aufgefallen ist, Du widersprichst mir im Grunde nicht. Der in den meisten Kulturen übliche 7-Tage Rhythmus ...

    Ich kann dir insofern entgegenkommen als ich zustimme, dass jeder Mensch, letztlich jedes Lebewesen, eine Balance zwischen Ruhephasen und Aktivität sucht.


    Der Glaube an etwas Höheres, überhaupt an irgendetwas, ist offenbar ein menschlich-seelisches Grundbedürfnis, weil ja irgendwer für den ganzen Zauber verantwortlich sein muss. Im Glauben wird alles erklärlich, was der Mensch nicht versteht, früher der Donner, jetzt das Universum.

    Wer als "moderner Mensch" den traditionellen Religionen nichts abgewinnen kann, sucht sich in der Regel einen Ersatz und glaubt an das Spaghettimonster oder andere seltsame Dinge, und er hält sich an Regeln fest, für die sich ein Gott, gäbe es ihn, in Grund und Boden schämen müsste.

    Wie ich ja bereits schrieb, ist die Affinität zu 'spirituellem Denken' im weitesten Sinne in den Genen 'verdrahtet', bei dem einen aufgrund seiner individuellen Allele stärker, beim anderen weniger stark ausgeprägt - jedenfalls stellte sie bisher keine sich im evolutiven Sinne negative auswirkende Eigenschaft dar.


    Der von Dir erwahnte Fünf-Tage-Rhythmus ist allerdings keineswegs viel anders als der Sieben-Tage-Rhythmus, denn sehr viele Menschen arbeiten am sechsten Tag genauso viel wie am siebten. Da wird der Garten gemacht, das Haus geputzt, das Auto repariert, und die vielen Firmenautos, die weltweit samstags durch die Gegend gefahren werden, gehören allesamt der Firma Schwarz&Samstag. Nix mit Fünf-Tage-Rhythmus.

    Nun, bisher ging ich davon aus, es ginge dir nicht um 'Arbeit' im physikalischen Sinne, sondern Erwerbsarbeit.

    Biochemisch betrachtet arbeitest du jede einzelne Sekunde deines Lebens, da du deinen Metabolismus samt Enzymaktivität, Gasaustausch über die Lunge und einen immerwährend aktiven Herzmuskel niemals abstellen kannst (und wohl auch nicht willst). :)

    Aber selbst bei Ausklammerung der den Körper erhaltenden Grundfunktionen vergeht in meinem Leben kein einziger Tag ohne 'Arbeit' und das, obwohl ich mich als ziemlich faul bezeichnen würde. Jeder Tag enthält Phasen, in denen entweder mein Gehirn arbeitet (z. B. auch beim Verfassen mehr oder weniger geistreicher Kommentare in mehr oder weniger hochfrequentierten Foren, beim Online-Schachspielen, dem Sinnieren über die Zukunft von Kryptowährungen und Blockchaintechnologie oder die Formeln meines Wettrechners) oder meine Muskeln (beim Wandern, Schwimmen oder der auch von dir offenbar geliebten Gartenarbeit).

    Ich kann da keinen in eine Reihe aufeinander folgender Arbeits- oder Entspannungstage gegliederten Rhythmus erkennen - eine Einteilung, welche mir völlig willkürlich erscheint, wohl aber, da gebe ich dir Recht, das Bedürfnis sowohl nach ausreichend langen Ruhephasen als auch ausreichender Aktivität.

    Wie hoch nun der prozentual von Erwerbsarbeit eingenommene Anteil an der gesamten zur Verfügung stehenden Lebenszeit ist, ist letztlich reine Verhandlungssache, hängt von den finanziellen Mitteln des Einzelnen und dem gerade erreichten Level an Digitalisierung und Automatisierung ab.

    Ich bin auch davon überzeugt, dass das ein Grundbedürfnis des Menschen ist, weil - unabhängig von Religion - der 7-Tage-Rhythmus ungefähr der ist, der in allen Kulturen gilt, soweit wir sie kennen.

    Ich schreibe doch mal noch ein paar Sätze mehr dazu, um zu verdeutlichen, was ich ausdrücken wollte: Ich halte es letztlich für keine ausreichende Begründung zu sagen, ein bestimmter Rhythmus sei sinnvoll, weil er häufig in verschiedenen Kulturen aufgetreten wäre. Das Argument erschöpft sich im Prinzip darin zu sagen, etwas sei gut, weil es schon immer so gemacht worden wäre ... (ja, bis es eben jemand anders macht). :) Dann wäre es ja auch irgendwie 'richtig' an Gott zu glauben, weil das in sehr vielen Kulturen bis heute stets so üblich war: Es gibt eine Religion samt einem Gott und an den glaubt man, weil, ja weil alle das tun. Jeder darf gerne an Gott glauben, aber allein dass das ein sehr verbreiteter Brauch in vielen Kulturen ist, ist für mich kein valides, 'wissenschaftliches' Argument dafür, an Gott zu glauben. Genauso sehe ich das bezüglich eines 'allgemeingültigen' Rhythmus.

    In der heutigen Zeit dürften doch die meisten Menschen in Mitteleuropa eher einem Fünftagearbeitsrhythmus folgen als nach sechs Tagen frei zu bekommen. Und warum fünf Tage? Weil das jetzt der neueste wissenschaftliche Stand ist, dass genau das am gesündesten sei? Nein, es ist schlicht das Maximum dessen, was derzeit der 'Sklave' in Verhandlungen mit dem 'Ausbeuter' zu erzielen vermochte. Es handelt sich dabei um einen immer wieder neu ausgetragenen Interessenkonflikt, der zu einem bestimmten, temporären Ergebnis führt. Wissenschaftlich ist daran aber nichts. Ich vermute, dass in nicht allzu ferner Zukunft durch Automatisierung und Digitalisierung die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit extrem zurückgehen wird (auf vielleicht 20 Stunden pro Woche), ohne dass dadurch jemand Schaden nimmt.

    Verhandlungssache zwischen Ausbeutern und Sklaven???

    Wie dumm, dass das den Sklaven früher nicht eingefallen ist.

    Der Begriff "Ausbeuter" stammt ja von dir, ich habe ihn lediglich um den des "Sklaven" ergänzt. :)


    Aber natürlich ist mir bewusst, eine ziemlich drastische Umschreibung der Arbeitswelt gewählt zu haben. Wie in vielen Übertreibungen steckt meiner Meinung nach aber tatsächlich auch ein Körnchen Wahrheit in diesem 'Bildnis': Solange Menschen Arbeiten ausführen, die sie nicht mögen, aber aufgrund finanzieller Zwänge ausüben müssen, sind sie letztlich 'Sklaven' ihrer Arbeit, und von dieser Art 'Sklaven' gibt es nicht wenige. Selbstverständlich verrichten andererseits auch Menschen ihre jeweilige Arbeit gern und voller Freude (so munkelt man).

    Nicht jeder kann jedoch so arbeiten. Vielen ergeht es eher so. :)

    Wenn jeder irgendwann mal frei hat, und seien es mehrere Tage, gibt es keine gemeinsamen Feiertage.

    Doch, alle, die gemeinsam frei haben wollen, nehmen dann eben 'ihre' zusätzlichen freien Tage zur gleichen Zeit. Wer nicht gemeinsam mit jemand anderem frei haben will, hat ja auch keinen Grund dafür, gemeinsame freie Tage zu haben. :)


    Aber du hast Recht: Es sollte unbedingt leiser werden. Dieselautos, Benzinrasenmäher (ohnehin wird viel zu viel gemäht) und -laubsauger etc. halte ich für tyrannisch-primitive Überbleibsel aus einer Zeit, dir wir eigentlich schon längst hinter uns gelassen haben sollten. Auch darüber, dass viele Menschen immer noch laut knatternd zu Büroarbeitsplätzen fahren, statt zu Hause zu arbeiten kann ich eigentlich nur den Kopf schütteln ... Es sollte keiner Feiertage bedürfen, um das öffentliche Leben zu entlärmen!

    Es kann schon sein, dass der eine oder andere einen anderen Rhythmus hat, aber dass es in allen Kulturen Pausen nach ungefähr sieben Tagen gibt, halte ich für aussagekräftig genug. Das hat gar nix mit Religion zu tun, war aber sehr wichtig, weil es immer Ausbeuter gegeben hat, die die Leute ohne religiöses Gebot durcharbeiten gelassen hätten.

    Genau, es ist letztlich Verhandlungssache zwischen den Sklaven und ihren Ausbeutern, wie lang am Tag und wie viele Tage hintereinander gearbeitet wird. Die Zahl Sieben ist in biologischer Hinsicht völlig willkürlich gewählt und auch in der Historie der Arbeitswelt keine konstante Größe, wenn man bedenkt, dass viele Menschen heutzutage 'nur' fünf Tage pro Woche arbeiten, es vor nicht sehr langer Zeit aber hierzulande meist sechs waren ... und es in Asien oft immer noch keinen freien Wochentag gibt ...

    Diese Verquickung, jaki, ist aber subtiler und weit verzweigter, als Du denkst.

    Um diese Behauptung aufstellen zu können, müsstest du zunächst einmal wissen, was ich denke. :)

    Ich habe mich an dieser Stelle ja überhaupt nicht dazu geäußert, als wie tiefgehend ich diese Verquickung sehe.


    Aber letztlich ist es auch für meine Aussage, diese Verquickung abzulehnen, unerheblich: Die Aussage und mein Wunsch bleiben davon ja unberührt. Lediglich die Höhe der Wahrscheinlichkeit, ob und wie bald mein Wunsch in der Realität tatsächlich umgesetzt werden könnte, ist davon tangiert.


    Allerdings sollte man weise sein beim Aufheben kirchlicher Regeln, wenn sie zwar traditionell kirchlich sind, aber dennoch dem menschlichen Rhythmus entsprechen.

    "menschlichen Rhythmus" müsstest du genauer definieren. Meinst du die gängigen (meist grauenhaft frühen) Arbeitszeiten des bemitleidenswerten Durchschnittsarbeitnehmers? Oder Sonn- und Feiertag? Aus biologischer Sicht betracht, sind derartige Regelungen völlig willkürlich und laufen dem tatsächlichen Biorhythmus vieler Menschen zuwider. Natürlich könnte man argumentieren, dass gemeinsame Tage, an denen 'alle' frei haben, sinnvoll seien. Diesbezüglich sprach ich mich an anderer Stelle dafür aus, statt religiöser Feiertage jedem Arbeitnehmer einfach eine bestimmte Anzahl zusätzlicher Urlaubstage zu gewähren, die er legen kann wie er will. Dann könnte ja jeder religiös Verwurzelte sie immer noch an 'seinen' ursprünglichen Feiertagen nehmen, und somit hätten dann immer noch all diejenigen gemeinsam frei, die das wünschten ...

    Das ist mutig. Oder besser, es wäre hier mutig. Wir haben hier Nachttemperaturen um 3°C, das verzeiht Zucchini nie. Die Tomaten auch nicht. Nächste Woche kommen die Gurken raus und die Bohnen an den beiden Ranknetzen werden gesteckt. Ich mag die Dinger, im Gegensatz zu Stangen. Die restlichen Gurkensamen kommen in die Erde. Vielleicht auch der Palmkohl.

    Bei uns wachsen Bananen, Feigen (Ficus carica "Babits"), Granatäpfelbäume (Punica granatum "Entekhabi Saveh") Kakteen (Opuntia phaeacantha "Orangade", Opuntia engelmanni") und Agaven (Agave megalacantha) das ganze Jahr draußen, vor allem auf der Südseite. Es handelt sich zwar um spezielle, 'winterharte' Sorten, aber dennoch zeigt das auch, dass Deutschland nicht gleich Deutschland ist ...

    ... weil eben doch diese menschliche Ungewissheit besteht, ob es ein oder mehrere höhere Wesen unter Umständen, vielleicht, möglicherweise doch in irgendeiner Form gibt, die man - mal als letzten Strohhalm, mal als Strukturierungshilfe der eigenen Lebensweise - nutzen kann.

    Und du glaubst das samstägliche Bundesligaspiel, auf das ein Fan die ganze Woche wartet, auf das er tippt, nach dem er sich betrinkt, strukturiert sein Leben nicht? Come onnnn! :D


    Und was ist so schlimm am Festhalten des letzten Strohhalms? Weniger als sonstige Drogen hilft der Glaube auch nicht. ;)


    Aber es gibt viele Menschen, die sie noch brauchen, ich meine aber, dass man keine Staatskirchen haben muss, sondern nur noch Sekten. Die Kirchen wissen ja um ihre Entbehrlichkeit und betonen das Karitative ihres Tuns.

    Ich brauche keine Kirchen und keine Sekten ... Ich sage ja letztlich nur, dass ich es anderen Menschen selbst überlassen will, ob sie Mitglied eines Klubs sein wollen oder nicht ... Und die Verquickung von Staat und Religion lehne ich ab.

    Mein Standpunkt ist, dass, wenn wir ein Recht auf Ausübung gewähren, dann zumindest einige Rituale wie z. B. Kindstaufe, Beschneidung, Sonderarbeitsrechte, Intransparenz bei der Vermögensdarlegung etc. verbieten müssten, da sie die Rechte anderer einschränken.

    Darüber könnte (sollte) man im Einzelnen natürlich diskutieren. Mir persönlich, was nicht maßgeblich sein muss, erscheint z. B. eine Taufe als eher harmlos, da sie letztlich keine Auswirkungen auf den Getauften hat (da schränkt doch das Verbot, den ganzen Tag Schokokuchen zu essen, die Freiheiten eines Kindes bei Weitem stärker ein ;) ). Bei der Beschneidung sieht das anders aus. Und "Intransparenz der Vermögensdarlegung", wie bitte? Was ist denn das schon wieder für ein typisch deutsch-bürokratisches Wortungeüm?? Religion hin oder her, ich bin prinzipiell gegen den Zwang, sein Vermögen 'darlegen' zu müssen. :)

    Und was so gut wie bei sämtlichen Religionen gleich ist, ist, dass die Männer den Frauen weisungsberechtigt sind, sprich die Frauen sind einem männlichen Wohlwollen untergeordnet.

    Nun, aber da ist dann eben das weltliche Gesetz auf ihrer Seite, dass ihr Recht auf Selbstbestimmtheit (hoffentlich) in hinreichender Weise verteidigt. Wenn ich sage, für individuelle Freiheiten zu sein, schließt das nicht die Freiheit mit ein, die Freiheiten anderer zu beschneiden ...

    Unsere Gesetzgebung hier in Deutschland ist darauf ausgerichtet, die verschiedenen Religionen immer zu berücksichtigen. So z. B. die Berücksichtigung von Verheiratung mit Kindern oder mit mehreren Frauen. Wir nehmen Rücksicht.

    Das ist aber nicht, worum es mir ging: Ich befürworte keineswegs eine spezielle Rücksichtnahme auf Religionen (und ich bin mir auch sehr sicher, dass ich das nirgendwo schrieb), sondern für individuelle Freiheit, wozu selbstverständlich auch das Recht auf Religionsausübung zählt.

    Richtig, aber gegründet sind die allermeisten Religionen doch mit dem Willen, möglichst viele zu überzeugen. Die einen sanft, die anderen mit dem "Schwert" und zu unterschiedlichen Zeiten auf anderer Basis. Wohingegen religionslose clubartige Gebilde sich meistens damit zufriedengeben ...

    "die allermeisten", "meistens" ... Du siehst, worauf ich hinaus will. Ich sehe immer das Individuum, und da das so ist, ist mir der friedliche Gläubige, der mich ungläubig sein lässt, eben lieber als das fanatische Fußballclubmitglied.


    Ich sehe die Lösung des Problems, anderen etwas aufzwingen zu wollen nicht darin, zu sagen, "Weg mit allen Religionen!" (oder "Weg mit allen Fußballfans!"), sondern in Gesetzen, die verhindern, dass Menschen Menschen etwas aufzwingen, seien es Religonen oder andere Dinge. Denn dann gibt es einerseits den Rahmen, der vor Fanatikern Schutz bietet, aber andererseits auch die Freiheit des Individuums, friedlich-religiös oder friedlicher Fußballfan zu sein.

    Ich sehe den Menschen zwar nicht als "Krone der Schöpfung", sondern als Zwischenprodukt der Evolution, stimme aber zu, dass es kein Zufall war, dass Vorstellungen über Ethik und Moral sich als nützlich für unser Fortbestehen etablieren konnten.

    Also weg mit allen Religionen, die Andersdenkende verreinahmen wollen. Einfacher und tunlicher gehören alle Religionen weg.

    Religionen selbst wollen erst einmal gar nichts, auch niemanden vereinnahmen, denn sie sind nichts als Gedankonstrukte, ohne eigenen Willen. Wie jemand, der an eine Religion glaubt, diese tatsächlich lebt, wie streng er sie interpretiert und ob er auch von anderen erwartet, sich an seine religiösen Vorstellungen zu halten, hängt ganz allein vom jeweiligen menschlichen Individuum ab.

    Ich halte die Forderung "Weg mit allen Religionen" ehrlich gesagt für fast ebenso intolerant wie die Forderungen fanatischer Gläubiger, sich ihnen anzupassen. Ich bin sowohl für die Freiheiten, nicht religiös als auch religiös leben zu dürfen.


    Und schon gar nicht dürfen noch Steuern für sie einbehalten werden.

    Absolute Zustimmung. Jedenfalls sollte der Staat damit nichts zu tun haben. Wenn Mitglieder eines Klubs freiwillig Beiträge entrichten, ist das ihre Privatsache. :)