Beiträge von I'm a Substitute

    […] Das heisst bei mir 50% der Investitionen fuer Strassen, 50% fuer die Bahn.

    Bei Dir vielleicht, aber der Komparativ bezieht sich ja auf das Investitionsvolumen, das in nicht genau umrissenem Zeitraum (1949 bis 1990?) in Bau und Erhalt es Straßennetzes geflossen ist… da dem Anschein nach ins Straßennetz mehr Geld investiert wurde, als ins Gleisnetz, bliebe in Seiferts Gedankenspiel nunmehr im selben Zeitraum weniger Geld für die Straßen übrig - mithin gäbe es Abstriche auch bei der Straßenbeleuchtung oder beim Radwegebau. Das mag ja verschmerzbar sein… und rechnet man die im Zuge dieses Gedankenspiels auch geschwächte Nachfrage nach Automobilen gegen, hapert's bei den Steuereinnahmen, während doch "die Preispolitik" für vergünstigtes Bahnfahren auch auf unrentablen Strecken dann gerade Olaf-Scholz'sche-Rechenkünste erfordert hätte, und das schon Jahrzehnte früher…

    Am heutigen Samstag fand eines der Relegationsspiele statt… Ergebnis: Nürnberg steigt nicht ab, Ingolstadt nicht auf… im Zweifel stellt sich sowieso die Frage, ob es für einen Fußballverein erstrebenswert sei, in einer der oberen Ligen zu spielen. Dürfen überhaupt schon wieder Zuschauer ins Stadion eingelassen werden? Und wenn noch nicht, ab wann wird's wieder möglich sein?

    Reine Spekulation. […] Das Strassennetz waere ja entlastet.

    Die Spekulation hatte bereits Forumskollege Seifert in den Raum geworfen, denn er meinte ja, man hätte die Gelder, die die BRD innerhalb von Jahrzehnten in die Verkehrsinfrastruktur (Straße) investiert hätte, der Bahn zukommen lassen können… das Straßennetz wäre nicht "entlastet", es wäre nur von weitaus geringerem Nutzwert, wenn es beispielsweise die Fern- und Schnellstraßen nicht gäbe… und ob es wirklich sinnvoll wäre, wenn jedes mittelgroße "Einkaufszentrum" einen Bahnanschluss hätte? (d.h. eigentlich zwei, nämlich einen stumpf dort endenenden für die Warenanlieferungen, und einen mit Durchgangs-Haltepunkt, um die Belegschaften und die Kundschaft dorthin zu transportieren)

    Wäre politikseits so viel Geld in die Bahn investiert worden,wie in die Strasse: […]

    […] hätten wir heute kein brauchbares Straßennetz, und man darf sich in düstersten Farben ausmalen, wie's dann um die Wirtschaft stände… woher dann die Bahn-Beamtenpensionen nehmen? Dass Dir der chinese way of politics zusagt, ist recht bezeichnend…

    […] Kann ich mir nur vorstellen […]

    Ich hab' mir seinerzeit auch nicht vorstellen können, wie oft an 'nem sonst doch angenehm zu fahrenden Motorroller Verschleißreparaturen anfallen, und welche Kosten die so mit sich bringen… gut, zum Zeitpunkt der auf diese Weise verhinderten Urlaubsfahrt hatte das Gefährt schon etwa 150.000 km auf dem Buckel (ein Brief an den Importeur wurde dann mit den Worten beantwortet, ich hätte den Roller zweckentfremdet genutzt, denn der sei doch nur für Kurzstrecken konzipiert…)


    Naja, etwas mehr als ein halbes Jahr später habe ich als vermeintlich kostensparende Alternative eine Piaggio Sfera als Zweitfahrzeug gekauft, ein weiteres halbes Jahr darauf, die Honda CN 250 an einen Bastler abgegeben: und schon 1997 musste ich einen weiteren Urlaub vorzeitig abbrechen: Da ist die Sfera nämlich in Amsterdam geklaut worden, während ich das dortige Schiffahrtsmuseum besichtigte…


    Auch der Tag endete dann mit einer Bahnfahrt… um den Bogen zum Topic zu schlagen.

    Die FAZ berichtet gerade, dass die heute so eifrig beworbenen Fleischersatzprodukte auch nicht so umweltfreundlich sind, wie's der Verbraucher mit seinem Fleischverzicht zu fördern hofft… Hormel Foods dagegen veranstaltet gerade einen Höhenflug an der Börse, und beim Namen einer seiner Produktlinien (Brands) klingelt's irgendwie… SPAM habe ich in hiesigen Supermärkten bislang leider nie gefunden! (Im Stammtisch-Thread sollte Hilde schleunigst eine Bestellung aufgeben!. Sieht doch lecker aus, was man aus dem Dosenfutter da kredenzen kann! (Und damit ist sogar der Gefahr vorgebeugt, dass ArgoNaut die Leckereien anrührt!))

    Den Roller in Soest reparieren lassen haette wohl Zeit und Geld gespart. […]

    Falsch geraten. Bevor ich den Roller zur Bahn gebracht habe, hatte ich in Soest einen Zweiradhändler mit Werkstatt derselben Marke aufgesucht. Dort sagte man mir, allein die Beschaffung der nötigen Ersatzteile würde mindestens eine Woche dauern. Und ich hatte ja nicht vor, den Urlaub in Soest zu verbringen…

    […] In Autobahnen wurde nach 1945 investiert, das Schienennetz dagegen wurde abgebaut. […]

    Das Straßennetz ist halt flexibler - das Schienennetz spielt seine Vorteile dagegen nur auf stark genutzten Hauptverbindungen aus. Der Güterverkehr auf der Schiene rechnet sich beispielsweise von Kiruna nach Narwik, Aber im postindustriellen Deutschland verteilt der Gütertransport sich auf dermaßen zahlreiche Routen, Ziele und Liefertemine, dass die Umladung auf den Zug nebst nochmaligen Umladung auf den Lieferverkehr der "letzten Meile" irgendwie nicht lohnte…


    Es ist mir jedenfalls ein unvergessliches Erlebnis, wie ich meinen 1995er Haupturlaub wegen technischen Defekts an meinem Motorroller leider bereits am ersten Tag abbrechen musste, und den Roller in Soest in Westfalen bei der Bahn als Stückgut zur Rücksendung nach Hamburg in meine Werkstatt aufzugeben gezwungen war… ich selbst war am selben Abend daheim, mein Roller kam 'ne Woche später an. Die zweite Urlaubswoche verbrachte er in der Werkstatt… der Bahntransport und die Reparatur hatten zudem meine Reisekasse in Mitleidenschaft gezogen.

    […] Um von Berlin nach München zu kommen (und dort bleiben zu wollen) ist das ja durchaus ausreichend. Oder von Berlin nach Hamburg. […]

    Dass die mit dem ICE betriebenen Hochgeschwindigkeitsverbindungen den rentablen Teil des aktuellen Bahnwesens ausmachen, ist bekannt, weil oft schon veröffentlicht. Aber auch die Schaffung und der Erhalt der Neubaustrecken wären unsubventioniert nicht gelungen.

    Und, offen gestanden, die Fahrt im ICE ist ebenfalls eher langweilig. Natürlich mag vom Zeitaufwand her die Verbindung von Metropolenzentrum zu Metropolenzentrum gegenüber einer Autofahrt sogar einen "Zeitgewinn" mit sich bringen, weil die Parkplatzsuche entfällt… aber ich wette, zum Vergnügen setzt sich niemand in den ICE, um die Fahrt zu genießen…

    Du vergisst, dass auch die Schiene zur Versorgungssicherheit beiträgt. Sämtliche Transporte (egal […]

    […] Man sieht, dass du selten Auto(bahn) fährst (…]

    Zum 1. Teil des Zitats: Ja, gut, die Bahn versorgt sicher die dort noch weiterbeschäftigten Beamten… und die Politiker und Staatssekretäre, die im jeweiligen Referat des Bundesverkehrsministeriums einen Sitzplatz ergattert haben… ansonsten ist die Bahn wegen der benötigten Infrastruktur eines eigenen Verkehrsnetzes eben kein Beitrag zur Versorgungssicherheit, sondern ein überaus personal- und kostenträchtiges Relikt des 19. Jahrhunderts, dessen heutige Überbleibsel nicht mal mehr hübsch anzusehen sind…


    Zum 2. Tail des Zitats: Es kommt ja vor, dass ich Autobahnteilabschnitte nutze - seit Jahrzehnten allerdings habe ich mir keine Verkehrsdurchsagen mehr angehört, denn erstens nutze ich den Hörfunk nur in Ausnahmefällen (also etwa in den Jahren 2003-2006), wenn ich mit dem Dienstwagen unterwegs war, in meinen eigenen Fahrzeugen war nie ein Radio eingebaut.

    Und die Staumeldungen aus den Zeiten des Berufsverkehrs in den Morgen- und Abendstunden betreffen ja eher Verzögerungen von vielleicht 20 Minuten… bei den Urlaubsreisewellen kann es dagegen auch zum Verlust eines halben Tages kommen. Oder zur unfreiwilligen Übernachtung, bevor die Autobahn wieder zu verlassen ist.

    […] Auch der Straßenbau wird so gesehen subventioniert.

    Es wird ja leider vom heutigen Bürger nur zu gern vergessen, dass am Straßennetz auch die Gesamtzahl der Bürger (ob Autofahrer oder nicht) profitiert. Die Straßen dienen als Verkehrsweg eben nicht nur dem Autofahrer, sondern auch der allgemeinen Versorgung/Versorgungssicherheit, und darunter ist dann nicht nur der Hänger-/Sattelzug, der dem benachbarten Discounter Ware anliefert zu verstehen… die Straßen dienen auch als Rettungswege (Krankentransporte, Feuerwehreinsätze) - und leider auch als Auflauffläche für die zahlreichen Demonstrationen, zu denen aufzurufen vom heutigen Bürger ja als sein wichtigstes Recht empfunden wird…


    Übrigens: Die bis in die Abendnachrichten hineinwirkenden Staus im Straßenverkehr entstehen dadurch, dass größere Menschenmassen sich zeitgleich auf derselben Reiseroute in Richtung ihres Urlaubsorts oder von dort wieder auf die Heimfahrt machen… die Stockungen, in den sich meine Weiterfahrt für vielleicht bis zu 10 Minuten verzögert, waren durch Baustellen, verstopfte Straßenkreuzungen, Falschparker etc. verursacht - ich fahre nun mal selten Autobahn, weil mich nicht "der schnellste" Weg interessiert, sondern eher der landschaftlich reizvollere.

    […] wenn Züge überfüllt sind, gibt es offenbar Nachfrage. […]

    […] Oder die Züge verkehren auf der Strecke zu selten oder mit zu wenigen Waggons… in Stoßzeiten, in der Urlaubshauptsaison oder anlässlich des Besuchs von Großveranstaltungen mag Otto Normalbahnreisender das Gedränge ja hinnehmen.

    […] Der Trend zum Auto, der in der alten BRD so langsam Ende der 1950er Jahre einsetzte […]


    […] Die Bahn war zu gut, sprich zu ökologisch, zu wirtschaftlich und zu menschenfreundlich für diese Welt. […]

    Zum ersten Teil des Zitats: […] war gesamtwirtschaftlich und damit sozial die richtige Entscheidung, zumal sie des Bürgers individueller Zeit- und Reiseplanung entgegenkam, und ihn so die bürgerlichen Grundtugenden erfahrbar werden ließ.


    Die Bahn (als getaktetes Massenverkehrsmittel) hatte ihre große Zeit, und die Bundesbahn hat hatte nach schwierigen Anfangsjahren die Modernisierung von Bahnhofsgebäuden und Fuhrpark glänzend bewältigt, und auch die Zeit des Traktionswechsels (vom Dampf zu Diesel und Strom) in vorbildlicher Weise bewältigt, so dass bis in die 80er Jahre die Bahn noch den traditionellen Reiz des Bahnfahrens wachzuhalten vermochte, als sich auch weiterhin gegen die Konkurrenz (Straßen-, u. Luftverkehr) behaupten konnte.


    Zum zweiten Teil des Zitats: Die Bahn ist kein Wohlfahrtsverband und hat sich als solcher auch nicht verstanden. Ihren "ökologischen" Vorteil erzielt sie jeweils nur auf Teilstrecken, nämlich im günstigsten Fall von Bahnhof A zu Bahnhof B - die meisten individuellen Zugreisen erfordern jedoch mehrere Zug- oder gar Verkehrsmittelwechsel (etwa Umstieg vom Bus oder Taxi zur Bahn und umgekehrt) - der zusätzliche Planungs- und Zeitaufwand ist nun keineswegs als "menschenfreundlich" zu bezeichnen, zumal die Bahnhöfe den einstigen Charme ihrer Wartesäle oder Bahnhofsgastronomie längst eingebüßt haben.


    Im überfüllten Zug transportiert zu werden, während der Blick aus dem Fenster auch keinerlei Ablenkung mehr bietet, ist jedenfalls kein Vergnügen. Den Anschlusszug entweder zu verpassen oder auf ihn warten zu müssen, ist ebensowenig als Lebensfreude zu betrachten…


    Die Bahn ist also ein anachronistischer Notbehelf, der nur staatlich subventioniert fortzubestehen vermag. In der flächenmäßg kleineren Schweiz mag das Eisenbahnwesen dank guter Organisation und der relativ kurzen zurückzulegenden Entfernungen in topographisch "bahntauglicher" Landschaft bessere Voraussetzungen haben, ihren Wert als Verkehrsmittel noch ein Weilchen länger zu bewahren.